Mit der zunehmenden Verbreitung des American Bully rücken auch genetisch bedingte Erkrankungen stärker in den Fokus von Tierärzten, Genetikern und verantwortungsvollen Züchtern. Während Erkrankungen wie Hüft- und Ellbogendysplasie bereits vielen Züchtern bekannt sind, werden seltene kongenitale Defekte häufig unterschätzt oder nicht ausreichend dokumentiert.
Zu den wissenschaftlich nachgewiesenen Erkrankungen zählt die NIPAL4-assoziierte kongenitale Ichthyose. Diese erblich bedingte Verhornungsstörung führt bereits im Welpenalter zu einer gestörten Hautbarriere mit ausgeprägter Schuppenbildung, trockener Haut und häufig sekundären Hautinfektionen. Die Erkrankung wurde ursprünglich beim American Bulldog beschrieben und später auch bei einem American Bully nachgewiesen. Dabei konnte eine Mutation im NIPAL4-Gen identifiziert werden, welche die normale Hautentwicklung beeinträchtigt. Betroffene Hunde zeigen meist lebenslang dermatologische Symptome und benötigen eine konsequente hautpflegende Therapie.
Neben genetischen Hauterkrankungen wurden in den letzten Jahren auch seltene neonatale Entwicklungsstörungen beim American Bully dokumentiert. Hierzu gehört insbesondere die fetale Anasarka, auch als „Walpen-Syndrom“ bekannt. Diese schwere kongenitale Erkrankung ist durch massive Flüssigkeitseinlagerungen im gesamten Körper des Fötus gekennzeichnet. Betroffene Welpen kommen mit stark ausgeprägten Ödemen zur Welt, was häufig zu Geburtskomplikationen, Kaiserschnitten und einer erhöhten Welpensterblichkeit führt. Aktuelle Fallberichte beschreiben mehrere neugeborene American Bullies mit generalisierten Ödemen, bei denen zusätzlich Hinweise auf angeborene Nierenveränderungen festgestellt wurden. Obwohl die genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt ist, werden genetische Faktoren sowie Störungen des Lymph-, Herz- oder Harnsystems als mögliche Auslöser diskutiert.
Diese Erkenntnisse verdeutlichen die Bedeutung einer verantwortungsvollen Zuchtauswahl, umfassender Gesundheitsuntersuchungen und genetischer Testprogramme. Insbesondere bei stark ingezüchteten Populationen können seltene rezessive Defekte unerkannt weitervererbt werden. Die konsequente Dokumentation genetischer Erkrankungen stellt daher einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Verbesserung der Gesundheit des American Bully dar.
Briand A., Cochet-Faivre N., Reyes-Gomez E. et al. (2019). NIPAL4 deletion identified in an American Bully with autosomal recessive congenital ichthyosis and response to topical therapy. Veterinary Medicine and Science, 5(2), 112–117. Casal M.L., Wang P., Mauldin E.A. et al. (2017). A Defect in NIPAL4 Is Associated with Autosomal Recessive Congenital Ichthyosis in American Bulldogs. PLoS ONE, 12(1): e0170708. Mauldin E.A., Wang P., Evans E. et al. (2015). Autosomal Recessive Congenital Ichthyosis in American Bulldogs Is Associated With NIPAL4 (ICHTHYIN) Deficiency. Veterinary Pathology, 52(4), 654–662. Camargo T.M., Lourenço M.L.G., Pereira K.H.N.P. (2025). Treatment of anasarca in neonatal American Bully dogs – case report. Arquivo Brasileiro de Medicina Veterinária e Zootecnia, 77(5).






