Wer in Dorsten einen Hund hält, sollte jetzt besser alles sauber geregelt haben. Denn die Stadt lässt ab dem 13. April 2026 Hunde im gesamten Stadtgebiet erfassen. Bedeutet: Es wird tatsächlich von Haus zu Haus gegangen, um festzustellen, ob in einem Haushalt Hunde leben – und ob diese auch ordnungsgemäß angemeldet sind.
Man muss es so deutlich sagen: Das Thema trifft natürlich wieder genau die Menschen, die ihren Hund nicht einfach als „Tier im Haushalt“ sehen, sondern als Familienmitglied. Und genau deshalb sorgt so eine Aktion verständlicherweise für Gesprächsstoff. Denn wenn plötzlich Kontrolleure an Türen klingeln und nach Hunden fragen, fühlt sich das für viele erstmal nicht nach Bürgernähe an, sondern nach Misstrauen.
Die Stadt Dorsten begründet die Maßnahme damit, dass alle Hunde korrekt zur Steuer erfasst werden sollen. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren dort 6.386 Hunde gemeldet. Schon die letzte Bestandserfassung im Jahr 2013 habe gezeigt, dass zusätzlich rund 1.000 Hunde aufgespürt wurden, die zuvor nicht angemeldet waren. Genau deshalb wird diese Erfassung nun wiederholt.
Wichtig dabei: Die beauftragten Mitarbeiter dürfen nicht einfach Wohnungen betreten. Sie dürfen sich ausweisen und volljährige Bewohner zur Hundehaltung befragen. Laut Stadt sind die Befragten verpflichtet, wahrheitsgemäße Angaben zu machen. Wenn beim ersten Besuch niemand angetroffen wird, soll es einen zweiten Versuch geben. Danach wird ein Schreiben hinterlassen.
Für viele Hundehalter ist aber ein anderer Punkt der eigentliche Aufreger: Wer seinen Hund bisher nicht angemeldet hat, muss nicht nur mit einer rückwirkenden Steuerzahlung rechnen. Zusätzlich können auch empfindliche Bußgelder fällig werden. Wer seinen Hund allerdings vor einer Erfassung im Rahmen dieser Bestandsaufnahme anmeldet, dem stellt die Stadt ausdrücklich in Aussicht, auf ein Bußgeldverfahren zu verzichten.
Und genau hier liegt der Kern der Debatte. Natürlich ist klar: Regeln gelten für alle. Wer einen Hund hält, muss ihn anmelden. Punkt. Aber man darf auch die Frage stellen, warum Hundebesitzer in Deutschland immer öfter das Gefühl bekommen, nicht als verantwortungsvolle Halter gesehen zu werden, sondern zuerst als potenzielle Abgabenlücke. Gerade Menschen, die ihre Hunde vernünftig führen, gesundheitlich versorgen, trainieren und als festen Teil ihres Lebens sehen, stoßen sich an genau diesem Signal.
In Dorsten liegt die Hundesteuer aktuell bei 108 Euro im Jahr für einen Hund, bei 120 Euro je Hund, wenn zwei Hunde gehalten werden, und bei 132 Euro je Tier, wenn drei oder mehr Hunde im Haushalt leben. Für gefährliche Hunde oder Hunde bestimmter Rassen gilt laut Stadt der vierfache Steuersatz. Die Sätze sind dort seit 2013 unverändert.
Man kann also nüchtern sagen: Es geht der Stadt um Geld, Ordnung und vollständige Erfassung. Man kann aber genauso sagen: Der Hund ist für viele Menschen weit mehr als ein Steuergegenstand. Und genau deshalb wirkt es immer etwas schief, wenn Kommunen beim besten Freund des Menschen zuerst auf Kontrolle setzen, statt auf Vertrauen und faire Kommunikation.
Unser Standpunkt bei Bullyion:
Wer Hunde hält, sollte seine Pflichten kennen und sauber erfüllen. Aber Kommunen sollten nie vergessen, dass hinter jeder Anmeldung kein Aktenzeichen sitzt, sondern ein Lebewesen – und meistens ein Halter, der Herz, Zeit, Geld und Verantwortung investiert. Hundehaltung ist kein Luxusproblem und erst recht kein Kavaliersdelikt-Thema für pauschale Stimmungsmache. Sie ist Verantwortung. Und Respekt sollte dabei immer in beide Richtungen gehen.


