Wenn Journalismus Fakten opfert: Der American Bully als Sündenbock

Stellungnahme von Bullyion

Der Tod eines Menschen ist immer eine Tragödie. Daran gibt es nichts zu relativieren.
Was jedoch nicht hinnehmbar ist, ist die Art und Weise, wie dieser tragische Vorfall in Lohne medial ausgeschlachtet wird, mit unpräzisen Begriffen, historischen Fehlannahmen und pauschalen Schuldzuweisungen gegenüber einer gesamten Hundepopulation.

Der von Norddeutscher Rundfunk veröffentlichte Beitrag reiht sich leider in eine lange Tradition ein, in der komplexe Sachverhalte auf reißerische Schlagworte reduziert werden. Das Ergebnis ist keine Aufklärung, sondern Angst. Clickbaiting und einfach schnelle Infos von Google oder pseudo Fachleuten.

Der American Bully ist heute weniger eine Hunderasse als ein Projektionsobjekt.
Er steht stellvertretend für Ängste, politische Diskussionen, mediale Vereinfachung und gesellschaftliche Unsicherheit im Umgang mit kräftigen Hunden. Kaum eine andere Rasse wird so häufig beurteilt, ohne verstanden zu werden. Jeder weiß es besser, keiner aber genau. Nach tragischen Vorfällen werden Begriffe wie Kampfhund, gefährliche Zucht oder tickende Zeitbombe reflexartig verwendet. Sie wirken stark, sie erzeugen Aufmerksamkeit, aber sie erklären nichts. Im Gegenteil: Sie verschleiern Zusammenhänge, statt sie sichtbar zu machen.


Blabla statt Fachwissen über den American Bully

Bull-typische Hunde tragen seit über hundert Jahren ein gesellschaftliches Stigma.
Ihr äußeres Erscheinungsbild, breite Köpfe, kräftige Körper, muskulöse Struktur, wird unbewusst mit Stärke, Dominanz und Gefahr assoziiert. Diese optische Wirkung beeinflusst Wahrnehmung stärker als Fakten. Selbiges Bild sieht man bei schnellen Autos, tätowierten Menschen etc. Medienlogik funktioniert nach anderen Regeln als Fachlichkeit. Komplexe Themen werden reduziert, Differenzierungen gekürzt, historische Entwicklungen übersprungen. Das ist verständlich, aber gefährlich, wenn es um Lebewesen geht.

Denn:

  • Genetik ist nicht gleich Verhalten
  • Abstammung ist nicht gleich Nutzung
  • Vergangenheit ist nicht gleich Gegenwart

Ein Hund ist kein statisches Produkt seiner Vorfahren. Er ist das Ergebnis aus Zuchtziel, Selektion, Haltung, Umwelt und Mensch.


Der historische Ursprung bull-typischer Hunde – wo alles begann

Um den American Bully verstehen zu können, muss man deutlich weiter zurückgehen als zu seiner eigentlichen Entstehung. Bull-typische Hunde sind kein modernes Phänomen. Ihre Geschichte reicht mehrere Jahrhunderte zurück, in eine Zeit, in der Hunde ausschließlich nach Funktion gezüchtet wurden.

Die frühen Bullenbeißer

Die Wurzeln bull-typischer Hunde liegen in Europa, vor allem in England und Teilen des heutigen Deutschlands. Dort existierten sogenannte Bullenbeißer, kräftige, mutige Hunde, die für das Treiben und Stellen von Großtieren eingesetzt wurden. Ihre Aufgabe war es, Rinder oder andere große Tiere festzuhalten, nicht sie zu töten.

Diese Hunde mussten:

  • schmerzunempfindlich sein
  • eine hohe Reizschwelle besitzen
  • eng mit dem Menschen arbeiten
  • kontrollierbar bleiben

Wichtig ist dabei ein oft übersehener Punkt:
Aggression gegen Menschen war unerwünscht. Ein Hund, der seinen Führer gefährdete, war unbrauchbar.

Vom Arbeitshund zum Spektakel

Mit dem Wandel gesellschaftlicher Strukturen veränderte sich auch die Nutzung dieser Hunde. In England entwickelte sich aus der Arbeit mit Großtieren das sogenannte Bullbaiting – ein öffentliches Spektakel, das heute zu Recht als grausam gilt.

Nach dem Verbot solcher Veranstaltungen im 19. Jahrhundert verschwanden die Hunde jedoch nicht. Stattdessen änderte sich ihr Einsatz – und mit ihm ihre Zucht. Aus den ursprünglichen bull-typischen Hunden entwickelten sich unterschiedliche Linien:

  • bulldogartige Hunde, die stärker auf Körperbau selektiert wurden
  • sportlichere Typen, die beweglicher und ausdauernder waren
  • Hunde, die zunehmend als Begleiter gehalten wurden

Mit europäischen Auswanderern gelangten bull-typische Hunde nach Nordamerika. Dort trafen sie auf andere Anforderungen, Farmarbeit, Schutz von Eigentum, so wie der Begleitung im Alltag. In den USA entwickelten sich daraus neue Linien, angepasst an neue Bedürfnisse. Hunde wurden größer, robuster oder sozialer, je nach Aufgabe.

Es gab nie „den einen Bull-Hund“, sondern immer verschiedene Typen mit unterschiedlichen Zielen! Bull-typische Hunde wurden über Jahrhunderte vor allem auf eines selektiert:
Nervenstärke und Führbarkeit. Ein Hund, der unkontrolliert aggressiv war, konnte weder arbeiten noch überleben, unabhängig von Epoche oder Einsatzgebiet.

Diese Eigenschaft ist der eigentliche gemeinsame Nenner bull-typischer Hunde. Nicht Aggression, sondern Belastbarkeit und der der American Bully steht nicht am Anfang dieser Geschichte, sondern am Ende einer langen Entwicklung, in der bull-typische Hunde immer wieder neu definiert wurden.


American Pit Bull Terrier – Wahrheit und die verbindung zum American Bully

Der American Pit Bull Terrier entwickelte sich in den USA aus bull-typischen Hunden, die europäische Einwanderer mitbrachten. Diese Hunde wurden an die Anforderungen der neuen Gebrauchszwecke angepasst und das waren Hunde und Tier- kämpfe. Diese Realität ist Teil der Geschichte. Sie zu verschweigen wäre falsch. Genauso falsch wäre es jedoch, daraus eine genetische Gegenwartsgefahr abzuleiten. Der American Pit Bull Terrier hatte einen, wirklichen Zweck und dazu gehörten ein starker Trieb, eine extreme Gameness und Schmerztolerant zu sein. Viele Social Media Accounts, die ein bisschen Aufklärung betreiben, um die Geschichte weicher zu kochen, erzählen das es nie Aggressionen gegen Menschen gab, das stimmt historisch ebenso nicht. In vielen alten APBT Büchern, ist nachzulesen das es vereinzelnd, einige „Manbiter“ gab und das dies kein Zuchtausschluss Grund war. Dennoch sind es keine wilden Bestien, die wahllos Menschen angreifen und zerfleischen. Das eigentliche Problem, allgemein an Terriern ist das übertriebene Gemüt und die Bereitschaft innerhalb von Sekunden von Null auf Hundertachzig zu sein, was die meisten Menschen nicht Händeln können. Um es noch einmal zu verdeutlichen, die Hunde wurden gezielt gezüchtet, um gegen andere Tiere zu kämpfen, nicht gegen Menschen. (Was die Sache nicht schöner macht). Selektive Zucht ist kein eingefrorener Zustand.
Eigenschaften, die nicht weiter selektiert werden, verschwinden über Generationen. Eigenschaften, die bewusst ausgeschlossen werden, verlieren an Bedeutung.

Moderne Linien des APBT, dort, wo verantwortungsvoll gezüchtet wird, unterscheiden sich deutlich von historischen Populationen,. Deutlich erkennt man es an den verschiedenen, heutigen Züchtern. Die einen Züchten noch Undercover für die Pit (Arena), die anderen wollen einfach leistungsstarke Sporthunde. Verhalten ist immer das Ergebnis von, Training, Selektion, Umwelt, Haltung ! Viele Halter werfen mit dem Begriff „Genetik“ umher, wenn ihr Hund nicht artig an der Leine laufen kann, oder eine Artgenossen Unverträglichkeit an der Leine hat, um sich darauf auszuruhen „Tja- kann man nichts machen, ist halt Genetik„. Genetik vollkommen zu leugnen, ist aber ebenso falsch, denn wenn es dann mal knallt, dann ordentlich. Dennoch lässt sich Genetik lenken und führen ! Wenn man sich traut, sich Hilfe zu suchen.

Was genetisch weitergegeben wird, sind:

  • Triebanlagen
  • Belastbarkeit
  • Reizverarbeitung

Was nicht genetisch festgelegt ist:

  • fehlende Führbarkeit
  • Gewalt gegen Menschen
  • unkontrollierte Aggression

Der APBT ist Teil der genetischen Grundlage des American Bully. Das ist Fakt.
Aber er ist nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt, von dem man sich bewusst weiterentwickelt hat.

Er entstand nicht, um den APBT zu reproduzieren, sondern um:

  • dessen extreme Arbeitsorientierung zu reduzieren
  • dessen Triebstärke abzumildern
  • dessen Erscheinungsbild zu verändern
  • dessen Rolle klar als Begleithund zu definieren

Genetik erklärt Herkunft. Zuchtziel definiert Zukunft. Wer den APBT pauschal verteufelt, versteht weder ihn noch den American Bully. Wer ihn verklärt, ebenso wenig. Nur eine ehrliche Betrachtung ermöglicht Verantwortung.


American Staffordshire Terrier – der bewusste Bruch mit der Vergangenheit

Die Entstehung des American Staffordshire Terrier markiert einen der wichtigsten Wendepunkte in der Geschichte bull-typischer Hunde. Hier begann erstmals eine klare Abgrenzung von Nutzungen der Vergangenheit, nicht durch Verdrängung, sondern durch gezielte Neudefinition. Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich eine Gruppe von Züchtern bewusst vom American Pit Bull Terrier abzugrenzen. Während der APBT weiterhin leistungs- und arbeitsorientiert gezüchtet wurde, verfolgten andere Züchter ein anderes Ziel: Anerkennung, Standardisierung und gesellschaftliche Akzeptanz. Diese Entwicklung führte zur Herausbildung dessen, was später als American Staffordshire Terrier bekannt wurde.

Der entscheidende Unterschied lag nicht in der Herkunft – sondern im Zuchtziel!!!!!!!!!!

Ein neuer Fokus: Standard, Erscheinung und Führbarkeit des modernen Bull Hundes

Der American Staffordshire Terrier wurde gezielt:

  • auf ein einheitliches Erscheinungsbild selektiert
  • für Ausstellungen standardisiert
  • auf Führigkeit und Alltagstauglichkeit gezüchtet

Damit entfernte man sich bewusst von extrem arbeits- oder leistungsorientierten Linien. Aggressives Verhalten gegenüber Menschen war nicht erwünscht und wurde zunehmend ausgeschlossen.

Der AmStaff war damit einer der ersten bull-typischen Hunde, bei dem:

  • Zuchtbücher
  • klare Standards
  • strukturierte Selektion
  • Shows eine zentrale Rolle spielten.

Bis heute wird der American Staffordshire Terrier in der öffentlichen Wahrnehmung häufig pauschal als Kampfhund bezeichnet. Historisch ist das nicht korrekt.

Zwar teilen APBT und AmStaff gemeinsame Wurzeln, doch:

  • der AmStaff wurde nicht weiter für Kämpfe missbraucht
  • er entwickelte sich primär als Show- und Begleithund
  • sein Zuchtziel unterschied sich grundlegend

Diese Differenzierung wird im öffentlichen Diskurs oft ignoriert, mit weitreichenden Folgen für die Wahrnehmung aller bull-typischen Hunde. Trotzdem wird der Fall genutzt, um erneut die Diskussion über Rasseverbote, Einschläferung und pauschale Gefährlichkeit anzuheizen. Das ist fachlich nicht haltbar.
Ein zentrales Motiv hinter der Entwicklung des American Staffordshire Terrier war der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung. Ohne die Entwicklung des American Staffordshire Terrier hätte es den American Bully in seiner heutigen Form nicht geben können. Er war der Beweis dafür, dass bewusste Selektion gesellschaftliche Wahrnehmung und das Verhalten einer Rasse verändern kann.


Die Entstehung des American Bully – eine bewusste Neudefinition ab den 1980er-Jahren

Die Entstehung des American Bully ist kein Zufallsprodukt und keine Fortsetzung historischer Nutzungen. Sie ist das Ergebnis einer bewussten Gegenbewegung zu genau jenen Problemen, die bull-typische Hunde über Jahrzehnte begleitet haben. Missbrauch, Fehlinterpretation und falsche Selektion. In den USA der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre veränderte sich der Umgang mit Hunden spürbar. Gleichzeitig standen bull-typische Hunde unter wachsendem Druck. Viele verantwortungsvolle Züchter erkannten, dass ein bloßes „Weiter so“ keine Zukunft hatte. Die Grundidee war klar und radikal zugleich. Einen bull-typischen Hund zu schaffen, der optisch kraftvoll, aber wesensmäßig maximal sozial ist.

Das bedeutete:

  • Abkehr von Arbeits- und Leistungslinien
  • Reduktion von Triebstärke
  • klare Fokussierung auf Menschenbezogenheit
  • bewusster Ausschluss von Aggression gegenüber Menschen

Der American Bully sollte nicht arbeiten, nicht jagen, nicht kämpfen, sondern begleiten.

Als genetische Grundlage vom Pocket, Standard und dem Classic dienten vor allem:

  • American Pit Bull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • verschiedene Bulldog-Typen

Diese Hunde wurden nicht wegen ihrer früheren Nutzung, sondern wegen bestimmter körperlicher und charakterlicher Eigenschaften ausgewählt. Zb. Stabilität, Führbarkeit, Gelassenheit und Offenheit. Wenn Menschen an „Kampfhunde“ denken und mit dem Wort Genetik rumspielen, verbinden sie nur Trieb und Aggressionen damit, aber es gibt immer Gegenspieler, die genauso viel Gewicht haben. Das Zuchtziel des American Bully unterschied sich fundamental von allem, was zuvor existierte. Aggressives Verhalten gegenüber Menschen war kein Randthema, sondern ein klares Ausschlusskriterium. Ein häufiger Fehler in der öffentlichen Debatte ist die Annahme, der American Bully sei lediglich ein „größerer“ oder „anderer“ APBT. Diese Sichtweise ignoriert den Kern der Entwicklung. Somit wäre es ja auch der Amstaff. Er ist ein reiner Begleithund – mit bull-typischer Optik, aber völlig anderem Anspruch. Viele Züchter der ersten Generation des American Bully hatten selbst Erfahrung mit APBTs und AmStaffs. Sie kannten die Probleme – und wollten sie nicht weitertragen. Der American Bully war kein Versuch, Probleme zu kaschieren, sondern sie strukturell zu lösen. Diese Anforderungen schließen bestimmte Eigenschaften automatisch aus. Ein Hund, der für Jagd, Kampf oder harte Arbeit selektiert wird, erfüllt diese Kriterien nicht.

Warum diese Entstehung des American Bullys oft missverstanden wird

Viele Kritiker betrachten den American Bully rückwärts, über seine Vorfahren.
Die Zucht selbst betrachtet ihn jedoch vorwärts, über sein Ziel. Das führt zu zwei völlig unterschiedlichen Bewertungen:

  • Herkunftsfixierung vs. Zuchtziel
  • Vergangenheit vs. Gegenwart
  • Symbolik vs. Realität

Genetik, Zuchtziel und Realität des American Bullys– warum Abstammung nicht gleich Verhalten ist

Einer der größten Fehler in der öffentlichen Diskussion über Hunde und insbesondere über den American Bully, ist die Gleichsetzung von Abstammung und Verhalten. Diese Vereinfachung klingt logisch, ist aber fachlich extrem falsch. Genetik ist ein Faktor. Sie ist jedoch nicht der alleinige und schon gar nicht der entscheidende. Genetik bestimmt keine konkreten Handlungen. Sie liefert Anlagen, keine fertigen Verhaltensweisen. Ein Hund kommt nicht mit einem Programm auf die Welt. Er bringt Möglichkeiten mit, keine Absichten.

In vielen Debatten wird argumentiert: „Der Hund stammt von X ab, also ist er gefährlich.“ Diese Logik ignoriert zentrale Punkte. Nicht vererbbar sind:

  • situationsabhängige Entscheidungen
  • gezieltes aggressives Verhalten
  • „Tötungsabsicht“
  • moralische Kategorien
  • Schwierigkeiten bei der Leinenführung
  • Artgenossen Verträglichkeit

Genetik bestimmt die Bandbreite, nicht das Ergebnis. Was innerhalb dieser Bandbreite entsteht, hängt maßgeblich ab von:

  • Aufzucht
  • Sozialisation
  • Führung
  • Umwelt
  • menschlichem Verhalten

Ein schlecht gehaltener Hund mit ungünstigen Anlagen wird auffälliger als ein gut geführter Hund mit denselben Anlagen. Der Unterschied liegt nicht im Hund, sondern im System um ihn herum. Ein weiterer Faktor ist die körperliche Präsenz. Fehlverhalten fällt bei einem kräftigen Hund stärker auf, nicht, weil es häufiger vorkommt, sondern weil es sichtbarer und folgenreicher ist. Das führt zu einem Wahrnehmungsfehler. Kleine Hunde = individuelles Problem, große Hunde = Rassenproblem.

Diese Verzerrung prägt öffentliche Diskussionen stärker als Fakten. Genetik ist kein Urteil.
Abstammung ist kein Schicksal und Herkunft ist keine Schuld.


Die Typen des American Bully – Pocket, Classic, Standard und XL im direkten Vergleich

Der American Bully ist keine homogene Erscheinung, sondern eine Rasse mit mehreren offiziell benannten Typen. Diese Typen werden in der öffentlichen Diskussion jedoch häufig falsch interpretiert oder pauschalisiert, mit erheblichen Folgen für die Wahrnehmung der gesamten Rasse und die wenigstens wissen wirklich darüber bescheid. Umso wichtiger ist eine klare, sachliche Einordnung. Die Typen des American Bully entstanden nicht, um verschiedene Aufgaben abzudecken, sondern um unterschiedliche Körperformate innerhalb desselben Zuchtziels zu ermöglichen. Die Typen Pocket, Classic und Standard bilden den historischen Kern der American-Bully-Zucht. Der Unterschied zwischen diesen drei Typen liegt primär in Masse, Schulterhöhe und der Knochenstärke. Ein Pocket ist kein anderer Hund als ein Standard, er ist lediglich kleiner. Der Zuchtstandards orientieren sich primär am Strandard Typ. Der Pocket ist kein Mischtyp und kein Sonderfall. Er entspricht dem Standard-Typ, nur in kompakterer Form. Die Reduktion erfolgt über Größe, nicht über Charakter. Der American Bully XL nimmt eine Sonderstellung ein, nicht wertend, sondern faktisch! Während Pocket, Classic und Standard, historisch sauber dokumentiert sind und phänotypisch eng beieinander liegen, zeigt der XL, größere optische Bandbreite, stärkere Unterschiede im Körperbau, völlig andere und teilweise historisch nicht nachvollziehbare Linienstrukturen.

Der XL wird häufig:

  • stellvertretend für die gesamte Rasse betrachtet
  • medial isoliert dargestellt
  • politisch instrumentalisiert

Dabei wird übersehen:

  • dass er nicht repräsentativ für alle Typen ist
  • dass seine Entstehung später erfolgte
  • dass seine Varianz kein Wesensmerkmal ist
  • später entstanden ist
  • heterogener
  • eigenständig zu betrachten

Wer also alle Typen in einen Topf wirft, verzerrt die Realität dieser Rasse. Differenzierung ist keine Relativierung. Sie ist die Grundlage für faire Beurteilung. Diese Unterschiede zu benennen ist keine Spaltung, sondern die pure nachvollziehbare Realität.

Nachdem wir nun die Typen des American Bully klar voneinander abgegrenzt haben, müssen wir uns der nächsten entscheidenden Frage widmen


Verantwortung, Haltung und Mensch – warum Probleme nicht rassespezifisch entstehen

Wenn es um Vorfälle mit Hunden geht, richtet sich der Blick der Öffentlichkeit fast reflexartig auf die Rasse. Diese Fokussierung ist verständlich, aber sie greift zu kurz. Denn sie lenkt von dem Faktor ab, der in nahezu allen problematischen Fällen entscheidend ist: dem Menschen. Hunde handeln nicht im luftleeren Raum. Sie reagieren auf Bedingungen, Führung, Umwelt und Erwartungen. In der öffentlichen Debatte existiert ein hartnäckiges Narrativ:

Manche Hunde seien von Natur aus gefährlich – unabhängig von Haltung und Umfeld.

Verhalten entsteht immer im Zusammenspiel von:

  1. Zucht – welche Eigenschaften wurden selektiert?
  2. Haltung – wie lebt der Hund?
  3. Mensch – wie wird geführt, gelesen und reagiert?

Dieses Narrativ hält einer sachlichen Betrachtung nicht stand. Denn auffälliges Verhalten entsteht nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Unabhängig von der Rasse zeigen Studien und praktische Erfahrung immer wieder dieselben Auslöser:

  • fehlende oder mangelhafte Sozialisation
  • inkonsequente oder überfordernde Führung
  • mangelnde Sachkunde der Halter
  • falsche Erwartungshaltung
  • Überforderung durch Umweltreize
  • bewusste Provokation oder Missbrauch

Keiner dieser Punkte ist rassespezifisch. Sie sind haltungs- und menschenspezifisch. Das Problem ist und bleibt der Mensch und das ist leider Fakt, nur viele wollen es nicht sehen. Ein häufiger, aber unterschätzter Punkt ist die Anschaffung selbst. Ein American Bully ist kein Anfängerhund im Sinne von „läuft von allein“.
Er ist ein kräftiger, sensibler Begleithund, der klare Führung, Struktur und Ruhe braucht. Richtig gehalten zeigt der American Bully genau das, wofür er gezüchtet wurde. Er zeigt wenig Interesse an der Jagd, hohe Bindung an seine Bezugspersonen, soziale Nähe und eine allgemeine Gelassenheit im Alltag.

Nicht der Hund ist das Risiko. Das Risiko entsteht, wenn Menschen Verantwortung nicht tragen. wenn Optik wichtiger ist, als der Züchter/Verkäufer. Diese Wahrheit ist unbequem, aber sie ist notwendig, wenn man wirklich etwas verändern will. Rassen erklären Phänotyp . Zucht erklärt Ziel. Aber Menschen erklären die Realität des einzelnen Hundes.

Abschluss von Bullyion. Es reicht. Wirklich.

Wir sagen es offen:
Wir sind wütend. Und wir sind müde davon, immer wieder dasselbe erklären zu müssen.

Nicht, weil wir emotional reagieren wollen. Sondern weil wir seit Jahren zusehen, wie Hunde für Dinge bezahlen, die Menschen verursachen und wie sich daran nichts ändert.

Wir haben es satt!!! Wir haben es satt!!!!!!

Das Geschichte verdreht wird, das Fachwissen ignoriert wird, dass ganze Rassen zur Schlagzeilen auf niedrigem Niveau herhalten müssen, dass Differenzierung als Verharmlosung verkauft wird. Wir haben es satt, dass Menschen ohne jede Sachkenntnis laut sind, während diejenigen, die Verantwortung tragen, überhört werden.

Und ja:
Wir haben es satt, dass die gesamte Rasse American Bully immer wieder als Projektionsfläche herhalten muss, anstatt nur auf das Fehlverhalten/die Tat eines einzelnen Hundes hinzuweisen.

Immer derselbe Ablauf

Ein Vorfall.
Eine Schlagzeile.
Ein Rassename.

Und plötzlich steht nicht mehr der Mensch im Fokus (der ja dafür Verantwortlich ist), nicht Haltung, nicht Vorgeschichte, nicht Verantwortung, sondern der Hund. Immer wieder. Am Ende passiert immer dasselbe. Halter verlieren ihre Hunde, Tierheime sind mehr als überfüllt, Vorurteile gehen bis zum Mond und wieder zurück und die Probleme bleiben dennoch bestehen.

Unsere Wut ist nicht gespielt. Sie kommt aus Erfahrung, aus Fachwissen, aus Bücherkunde, aus jahrelanger Beobachtung.

Aus dem Wissen, dass:

  • Rasselisten nichts lösen
  • Verbote nichts verhindern
  • Symbolpolitik niemanden schützt

Und aus der Frustration darüber, dass man es trotzdem immer wieder genau so versucht.

Medien, Politik und die Bequemlichkeit

Wir sind wütend über Berichterstattung, die vereinfacht, obwohl sie es besser wissen müsste.
Und über politische Entscheidungen, die schnell wirken sollen, statt richtig. Es ist bequem, einen Hund zu benennen und ihn dann zu töten. Es ist unbequem, Verantwortung einzufordern.

Und genau deshalb passiert Letzteres so selten.

Warum wir trotzdem bleiben

Wir werden nicht aufhören.
Nicht leiser werden.
Nicht anfangen, unsere Worte abzurunden, nur damit sie niemanden stören.

Denn Schweigen hilft niemandem.
Und schon gar nicht den Hunden.

Bullyion steht für:

  • Klarheit statt Angst
  • Wissen statt Meinung
  • Verantwortung statt Schuldverschiebung

Zum Schluss – ganz einfach

Der American Bully ist nicht das Problem. Das Problem ist ein System, das lieber vereinfacht als versteht.

Und solange Hunde für menschliche Fehler bezahlen, werden wir das benennen.
Immer wieder.

Bullyion
Fachmagazin. Kein Feigenblatt. Keine Ausreden.

  • Bullyion

    Bullyion wurde mit der Vision gegründet, eine Plattform zu schaffen, die sich exklusiv mit der American Bully Rasse beschäftigt. Das Magazin hat sich schnell als führende Informationsquelle etabliert und richtet sich an Züchter, Hundebesitzer und Liebhaber der Rasse. Ursprünglich aus Hamburg stammend, wurde Bullyion ins Leben gerufen, um eine Verbindung zwischen der Züchter-Community zu fördern und den Austausch über die Rasse zu erleichtern. Die Hauptintention von Bullyion ist es, verantwortungsvolle Zuchtpraktiken zu unterstützen und qualitativ hochwertige Informationen zu verbreiten. Die Plattform setzt sich dafür ein, dass nur Hunde mit ABKC-Papieren und entsprechender gesundheitlicher Auswertung präsentiert werden, um die Qualität und das Wohlbefinden der Tiere zu fördern. Zudem möchte Bullyion Züchtern und Interessierten hilfreiche Inhalte bieten – von Zuchtinformationen über Gesundheitsthemen bis hin zu Trainings- und Sportempfehlungen. Ein zentraler Aspekt ist die Förderung der verantwortungsvollen Haltung und Zucht, um Missverständnisse über die Rasse zu beseitigen und deren positive Eigenschaften als treue, liebevolle Begleiter hervorzuheben. Bullyion soll eine Community bilden, die auf respektvolle und ethische Zuchtpraktiken setzt.

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