Ein tragischer Vorfall aus Löhne sorgt derzeit für große mediale Aufmerksamkeit: Ein 33-jähriger Mann wurde tot in einem Straßengraben aufgefunden. Sein Hund wich nicht von seiner Seite. Einsatzkräfte berichteten, dass das Tier den Leichnam bewachte und sich schützend vor ihn stellte, bis eine Mitbewohnerin den Hund schließlich sichern konnte. Die Todesursache des Mannes ist bislang ungeklärt; die Ermittlungen dauern an.
Der Hund wird in der Berichterstattung vielfach als American Bulldog bezeichnet. Nach phänotypischer Einschätzung handelt es sich jedoch deutlich um einen American Bully – ein Unterschied, der in der öffentlichen Wahrnehmung häufig verwischt wird, für eine sachliche Einordnung jedoch relevant ist.
Was folgte, war vorhersehbar: Kommentare bei Social Media „der hat den Besitzer bestimmt Tod gebissen“ – “ die gehören alle verboten“ . Und wieder einmal eine verkürzte Erzählung, bei der nicht der Verlust eines Menschen im Mittelpunkt steht – sondern die bloße Anwesenheit eines Hundes eines bestimmten Typs.
Auch das Verhalten des Hundes wird bemängelt. In einer Ausnahmesituation wie dieser reagieren Hunde nicht rational, sondern instinktiv. Der Körper des Halters ist für den Hund kein „Leichnam“, sondern weiterhin seine Bezugsperson.
Quelle Bild/Infos NDR Niedersachsen

Guten Tag,
dieser Vorfall ist in Lohne passiert und die Obduktion hat leider ergeben, dass die Bissverletzungen todesursächlich war. Als erfahrener Halter von Pyrenäen Berghunden stellt sich mir die Frage, was vorgefallen sein muss, dass der Hund sein Herrchen angegriffen hat. Selbstverständlich ist kein Hund per se aggressiv. Da muss irgendwas gewaltig schiefgelaufen sein.
Guten Tag Herr Bußmann,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre fachliche Einschätzung.
Auch wir vertreten die Auffassung, dass kein Hund – unabhängig von der Rasse – ohne vorausgehende Ursache seinen Halter angreift. Der vorliegende Fall mit einem American Bully deutet darauf hin, dass außergewöhnliche Umstände oder eine Verkettung mehrerer Faktoren vorgelegen haben müssen. Dazu zählen unter anderem mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen des Hundes, eine akute Stress- oder Konfliktsituation, Fehlinterpretationen im Mensch-Hund-Zusammenspiel oder haltungs- und managementbedingte Aspekte. Pauschale Zuschreibungen gegenüber bestimmten Rassen greifen aus unserer Sicht zu kurz und tragen weder zur Aufklärung des Einzelfalls noch zur Prävention zukünftiger Vorfälle bei.
Als Fachmagazin halten wir es für entscheidend, solche Ereignisse sachlich einzuordnen und die komplexen Zusammenhänge zwischen Hund, Halter und Umfeld herauszustellen.
Mit freundlichen Grüßen