Maria Till gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Westernreitsports. Bereits im frühen Kindesalter kam sie mit Pferden in Berührung und was zunächst eine spielerische Leidenschaft war, entwickelte sich schnell zu einem konsequenten sportlichen Weg. Mit neun Jahren fand sie ihren Zugang zum Westernreiten, einer Disziplin, die Präzision, Körpergefühl und ein tiefes Verständnis für die Beziehung zwischen Reiter und Pferd verlangt.
Über die Jahre formte sie nicht nur ihre Technik, sondern auch eine bemerkenswerte Verbindung zu ihren Pferden. Mit konsequenter Arbeit und hohem Anspruch gelang ihr der Aufstieg in die Leistungsspitze: Nationale Titel, internationale Erfolge sowie eine Teilnahme an Weltmeisterschaften stehen exemplarisch für eine Karriere, die sowohl von sportlichem Talent als auch von Beharrlichkeit geprägt ist. Maria gilt heute als eine der erfolgreichsten deutschen Reining-Reiterinnen ihrer Generation, eine Athletin, deren Alltag von Disziplin, Tierverständnis und kontinuierlicher Weiterentwicklung bestimmt ist.
Doch neben den Pferden, die seit jeher ihr berufliches Fundament bilden, begleitet sie ein Hund, der auf den ersten Blick nicht typisch für die Reitsportszene erscheint und dennoch zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens geworden ist: ihre American Bully Hündin „Hailey„. Während ihre Pferde Partner im sportlichen Kontext sind, ist Hailey die Konstante im privaten Alltag, ein Hund mit außergewöhnlich warmherziger Ausstrahlung und einem Charakter, der Maria ebenso geprägt hat wie ihre Laufbahn im Sport.
Im Gespräch mit Bullyion spricht Maria Till über ihren Weg zur Rasse American Bully, über Erfahrungen mit Zucht, Gesundheit und Haltung sowie darüber, wie ein Hund, der äußerlich Stärke verkörpert, im Kern ein zutiefst sanftes und soziales Wesen ist.
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Wie bist du ursprünglich auf die Rasse American Bully aufmerksam geworden und was hat dich dazu bewogen, selbst einen Bully zu halten?
Maria Till:
Ich fand sogenannte „Kampfhunde“ schon immer sehr faszinierend und wollte ursprünglich einen Staffordshire Bull Terrier haben. Eine Bekannte hatte mir jedoch damals von dieser Rasse abgeraten, weil sie als eher schwierig gilt.
Durch Zufall bin ich dann über einen Instagram-Post eines Züchters auf die Rasse American Bully aufmerksam geworden – das war 2017. Zu dieser Zeit war die Rasse in Deutschland noch nicht besonders verbreitet und gerade das hat mich total fasziniert.
Ich habe mich daraufhin sehr intensiv eingelesen und über einen langen Zeitraum mit der Rasse beschäftigt. Während meines Studiums wollte ich mir schließlich meinen Traum vom eigenen Hund erfüllen und so habe ich mir 2018 meinen American Bully gekauft.



Welche Eigenschaften deiner American Bully Hündin Hailey schätzt du im Alltag besonders und was macht sie für dich einzigartig?
Maria Till:
Was mich an American Bullys am stärksten fasziniert, ist ihre außergewöhnlich „menschliche“ Ausstrahlung. Keine andere Hunderasse wirkt auf mich derart vertraut und emotional zugänglich wie sie. Ihre Gefühlswelt ist erstaunlich deutlich erkennbar, sie scheinen regelrecht zu lächeln und ihre ausgeprägte Menschen Bezogenheit beeindruckt mich jeden Tag.
Selbst meine Großmutter, die über viele Jahre eine völlig andere Rasse gezüchtet hat, betont immer wieder, wie menschlich American Bullys wirken. Mein eigener Hund bestätigt dies täglich aufs Neue.
Diese Gutmütigkeit, die tiefe Zuneigung und ihr warmherziges, liebevolles Wesen machen diese Rasse für mich einzigartig.
Du verbringst viel Zeit im Reitsport. Wie erlebt dein Bully die Stallumgebung, Pferde und den Trainingsalltag?
Maria Till:
Im Stall ist es mit meinem Hund leider nicht ganz so einfach, obwohl sie die Situation insgesamt wirklich gut meistert. Sie hat ein ziemlich großes Problem mit Eifersucht und mag es nicht besonders, mich mit den Pferden „teilen“ zu müssen.
Grundsätzlich hat sie keine Angst oder Schwierigkeiten mit Pferden, aber wohl fühlt sie sich im Stall trotzdem nicht. Dort kann sie die Situation nicht so gut überblicken, sie ist weniger nah bei mir und zusätzlich ist es oft kalt.
Deshalb nehme ich sie nicht regelmäßig mit in den Stall. Ich finde, man sollte niemanden zu etwas zwingen, das er nicht mag, das gilt für Hunde genauso wie für Menschen.



Welche Kriterien waren dir bei der Auswahl von Zucht und Herkunft besonders wichtig?
Maria Till:
Die Zucht und insbesondere die Herkunft eines Hundes spielen selbstverständlich eine entscheidende Rolle. Bei meinem eigenen Hund hatte ich in diesem Punkt leider nicht das nötige Glück. Der Züchter, von dem ich sie damals übernommen habe, erwies sich im Nachhinein als nicht besonders zuverlässig oder seriös.
Heute würde ich vieles anders handhaben und mich deutlich gründlicher informieren. Zu jener Zeit war ich weder in American Bully-Gruppen noch in entsprechenden Foren aktiv und hatte daher kaum Möglichkeiten, mich mit erfahrenen Haltern über vertrauenswürdige Züchter auszutauschen. Dieses Wissen kam erst später.
Für einen weiteren/späteren Hund würde ich inzwischen wahrscheinlich eher einen American Bully aus dem Tierheim oder einen älteren, abzugebenden Hund in Betracht ziehen, selbst dann, wenn bereits gesundheitliche Einschränkungen bestehen. Für mich wäre dies als zweiter Hund die stimmigere und verantwortungsvollere Wahl.
Welche Reaktionen erlebst du im Alltag oder im Reitsportumfeld auf deinen Bully, und wie gehst du mit Vorurteilen gegenüber kräftigen Rassen um?
Maria Till:
Insgesamt habe ich erstaunlich wenige negative Erfahrungen gemacht. Gelegentlich fiel einmal ein Kommentar von einem anderen Hundebesitzer, wenn meine Hündin kurz etwas aufgeregt oder impulsiv reagiert hat, doch solche Bemerkungen berühren mich kaum.
Im Allgemeinen erlebe ich die Menschen als ausgesprochen offen. Viele möchten sie spontan streicheln oder ihr Zuneigung schenken. Wirklich belastende oder schwierige Situationen gab es bislang nicht.
Wenn jemand lieber Abstand wahrt, habe ich dafür vollstes Verständnis. Doch tatsächlich ist meinem Hund und mir bisher nichts wirklich Negatives widerfahren.
Wie gestaltest du Training, Beschäftigung und Auslastung, damit dein Bully körperlich und mental gut gefördert ist?
Maria Till:
Ich verbringe sehr viel Zeit mit ihr draußen und lege großen Wert darauf, dass sie auch mental gut ausgelastet ist, insbesondere durch Such- und Schnüffelarbeit, die sie über alles liebt. Dadurch hat sich allerdings ein gewisser Jagdtrieb entwickelt, was natürlich nicht in jeder Situation ideal ist.
Da sie aufgrund einer mangelhaften Zucht gesundheitliche Einschränkungen hat, unter anderem HD und ED – achte ich besonders darauf, sie geistig zu fördern, ohne sie körperlich zu überfordern.
Unsere Spaziergänge habe ich so gestaltet, dass Dauer und Streckenlänge optimal zu ihren Bedürfnissen passen. Sie kann inzwischen sehr gut einschätzen, was ihr möglich ist und auf diese Weise finden wir jeden Tag eine ausgewogene und stimmige Balance.

Worauf achtest du bei Ernährung und gesundheitlicher Vorsorge besonders?
Maria Till:
Sie bekommt wegen ihrer gesundheitlichen Probleme ausschließlich hypoallergenes Futter und ich achte sehr genau darauf, dass sie nichts anderes frisst. Ihre Gesundheit steht für mich immer an erster Stelle.
Wir haben bereits viel Physiotherapie hinter uns und sie hat auch eine Goldakupunktur erhalten – etwas, das ich bei Hunden mit HD oder ED wirklich empfehlen kann!
Abends massiere ich sie häufig auf dem Sofa, was ihr spürbar guttut und sie deutlich entspannt. Eine passende Ernährung, regelmäßige Pflege und diese kleinen Routinen helfen mir, ihre Gesundheit so gut wie möglich zu unterstützen, ohne sie zusätzlich zu belasten.
Wie würdest du das Temperament deines American Bullys im Umgang mit Menschen und anderen Tieren beschreiben?
Maria Till:
Mit Menschen ist sie wirklich das größte laufende Kuscheltier, das man sich vorstellen kann. Sie liebt absolut jeden und würde am liebsten den ganzen Tag kuscheln.
Auch mit anderen Tieren ist sie sehr lieb, egal welche Art. Bei fremden Hunden macht sie manchmal kurz auf „Macker“, aber das ist nur Show. Danach ist sie sofort freundlich und unkompliziert.
Ihre beste Freundin ist ein Zwergdackel, mit dem sie sich wunderbar versteht. Insgesamt gilt bei ihr: große Klappe, nichts dahinter – im allerliebsten Sinne.



In welcher Weise hat dein Bully deinen Alltag verändert oder bereichert? Nimmst du sie auch mit auf Westernturniere?
Maria Till:
Gerade im Büro bereichert sie unseren Alltag enorm. Sie ist für alle eine mentale Stütze. Wenn jemand einen schlechten Tag hat, geht man kurz zu Hailey und schon hebt sich die Stimmung.
Auch das Leben meiner Oma bereichert sie sehr. Sie hört ihr geduldig zu und meine Oma spricht manchmal mit ihr, als wäre sie ein Mensch, weil sie eben so menschlich wirkt.
Auf Feste und Turniere nehme ich sie regelmäßig mit. Das genießt sie sehr: andere Hunde treffen, überall dabei sein, Teil des Ganzen sein. Für American Bullys ist es das Wichtigste, einfach dabei zu sein.
Welche Entwicklung würdest du dir für die öffentliche Wahrnehmung dieser Rasse in Deutschland wünschen?
Maria Till:
Ich habe nicht den Eindruck, dass die Rasse eine besonders negative Wahrnehmung hat. Was mir jedoch aufgefallen ist: Der American Bully war einige Jahre lang eine richtige Trendrasse.
Solche Trends finde ich problematisch. Es ist gefährlich, wenn sich Menschen nur wegen eines Hypes einen Hund anschaffen.
Mir ist wichtig, dass die Leute erkennen, wie wundervoll diese Hunde sind. Viele meiner Bekannten hatten vorher keine Berührungspunkte oder sogar Vorurteile und nachdem sie meine Hündin kennengelernt haben, wurden sie zu echten Fans.
Genau das wünsche ich mir: Dass noch mehr Menschen sehen, wie einzigartig, liebevoll und beeindruckend American Bullys sind.
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Bullyion sagt Danke.
Das Gespräch mit Maria Till zeigt eindrucksvoll, wie sehr ihre Tierliebe sich nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch abseits der Reitplätze ausdrückt. Ihre Hündin Hailey ist kein Begleithund im klassischen Sinn, sondern ein fester Bestandteil ihres Alltags und ihrer Familie. Die Ruhe, Offenheit und Hingabe, die Maria in ihrer sportlichen Laufbahn auszeichnen, spiegeln sich ebenso in ihrer Haltung gegenüber ihrem Bully wider.
Gleichzeitig macht sie aufmerksam auf Verantwortung, gesundheitliche Vorsorge und reflektierte Entscheidungen rund um Zucht und Anschaffung – Themen, die für viele Hunderassen relevant sind, bei American Bullies jedoch besondere Bedeutung haben. Ihre Erfahrungen tragen dazu bei, ein authentisches Bild dieser Rasse zu vermitteln: eines, das weniger von Trends und Vorurteilen geprägt ist, sondern von Charakter, Freundlichkeit und echter Bindungsfähigkeit.
Damit zeigt Maria Till nicht nur als Reiterin, sondern auch als Hundebesitzerin Haltung und setzt ein wertvolles Zeichen für einen respektvollen und gut informierten Umgang mit dieser besonderen Rasse.