Im November 2025 befindet sich der American Bully in Europa an einem Wendepunkt, der
deutlicher kaum ausfallen könnte. Während mehrere Staaten ihre Regulierungen verschärft
haben und die politische Diskussion weitgehend von sicherheitsbezogenen Schlagworten
geprägt wird, wächst die organisierten Bully-Szene in einer erstaunlichen Gegenbewegung.
Der Kontinent erlebt parallel eine rechtliche Fragmentierung, eine emotional aufgeheizte
Berichterstattung und gleichzeitig eine Professionalisierung der Zucht- und Showszene, wie
sie in dieser Form vor wenigen Jahren noch nicht absehbar war.
Der einschneidendste politische Schritt kam aus Irland. Dort ist der XL-Type American Bully
seit Anfang des Jahres nur noch über Ausnahmegenehmigungen haltbar. Die Behörden
verlangen umfassende Nachweise, darunter Microchip, Kastration, Registrierung und ein
verpflichtendes Versicherungsmodell. Zucht, Weitergabe, Import und Rehoming dieses Typs
sind vollständig untersagt. Die irische Regelung wurde durch juristische
Auseinandersetzungen begleitet, wobei der High Court zwar Teilaspekte präzisierte, das
Grundverbot jedoch bestätigte. Der irische Ansatz hat europaweit Signalwirkung entfaltet, da
er erstmals eine vollständige rechtliche Abriegelung einer einzelnen Hundetypologie
etabliert.
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Im Vereinigten Königreich und in Schottland ist die Debatte seit der Einführung des XL-Bully-
Bans fest verankert. Die dortigen Exemption-Regelungen, die Maulkorbpflichten sowie die
strikte Zucht- und Verkaufsuntersagung bilden weiterhin eines der strengsten Regimes. Die
hohe Zahl sichergestellter Tiere im Verlauf des Jahres hat die Diskussion über
Verhältnismäßigkeit neu entfacht. Der tragische Fall eines tödlichen Angriffs in Wales im
Herbst, bei dem ein offiziell registrierter Hund beteiligt war, führte zu erneuten Forderungen
nach einer vollständigen Abschaffung sämtlicher Ausnahmeregelungen. Die zunehmende
Emotionalisierung erschwert jedoch die nüchterne Analyse der Ursachen, da
Rassezuordnungen, Haltungsbedingungen, Sozialisation und Training häufig vermischt
betrachtet werden.
Auf den Kanalinseln, insbesondere in Jersey, wird die Gesetzgebung zurzeit ebenfalls
reformiert. Die dortige Verwaltung stützt sich stärker auf den Begriff des Hundetyps als auf
anerkannte Rassenklassifikationen. Entwürfe zur Verschärfung von Kontroll- und
Meldepflichten liegen vor, wobei bisher kein vollständiges Verbot beschlossen wurde.
Dennoch lassen die Diskussionen erkennen, dass auch kleinere Rechtssysteme sich
zunehmend an den restriktiveren Staaten Europas orientieren.
Parallel zu dieser politischen Verdichtung erlebt die Bully-Szene eine gegensätzliche Dynamik.
In vielen Ländern, unter anderem wie Ost-Europa, Italien, Tschechien, Spanien und
Skandinavien finden weiterhin große internationale Veranstaltungen statt. Sowohl ABKC
Europe als auch EBKC oder der ABR haben 2025 Rekordzahlen bei ihren Shows verzeichnet.
Besonders hervorzuheben sind die hochfrequentierten Doppelshows in Südeuropa sowie
neue nordische Formate, die sich innerhalb eines Jahres etabliert haben. Die Szene
professionalisiert sich, indem Richter mit klar definierten Standards auftreten, Zuchten
vollständige gesundheitliche Auswertungen offenlegen und ein deutliches Interesse an
kynologischer Transparenz zeigen. Diese Entwicklung setzt ein Gegenbild zur medialen
Darstellung, die sich nach wie vor fast ausschließlich auf negative Einzelfälle konzentriert.
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Aus wissenschaftlicher Sicht bleibt der American Bully – gerade in seiner XL-Variante – ein
Hund, dessen Verhalten nicht pauschal durch seine Typzugehörigkeit erklärbar ist.
Verhaltensbiologen und Tierärzte betonen, dass genetische Dispositionen nur einen Teil des
Verhaltensspektrums bestimmen. Umweltfaktoren wie Aufzucht, Management, Training und
Stressumfeld wirken mindestens ebenso stark. Die vielzitierte Problematik, dass der XL Bully
rechtlich als Typ und nicht als Rasse erfasst wird, erschwert darüber hinaus die statistische
Arbeit. Typbestimmungen sind unpräzise, wodurch Daten über Vorfälle oft verzerrt oder
unbrauchbar werden.
Für Europa stellt sich nun die Frage, in welche Richtung sich das Bild des American Bully
entwickeln wird. Sollte sich das irische Modell als politischer Maßstab durchsetzen, könnte
eine Welle weiterer Restriktionen folgen. Ebenso denkbar ist eine differenziertere
Herangehensweise, die stärker auf Halterqualifikation, verpflichtende Sachkunde und
konsequente Gesundheitsstandards setzt. Die wachsende Szene der Bully-Clubs, Zuchten
und kynologischen Fachmedien zeigt, dass ein hohes Interesse an einem
verantwortungsvollen und transparenten Umgang vorhanden ist.
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Der November 2025 markiert somit keine Endstation, sondern eine Phase erhöhter Spannung.
Der American Bully in Europa bewegt sich zwischen Verbotspolitik und kynologischer
Professionalisierung, zwischen medialer Emotionalisierung und wissenschaftlicher
Nüchternheit. Die Zukunft dieser jungen Hunderasse – oder Hundetypologie – hängt davon
ab, ob politische Entscheidungen evidenzbasiert ausfallen und ob die Szene ihre Standards
weiterhin konsequent ausbaut. Genau an diesem Schnittpunkt entsteht das Bild, das die
Geschichte des Bullys in Europa in den kommenden Jahren prägen wird.
Die klare Haltung des EBKC zu „Exotic Bullys“
Die Debatte um sogenannte Exotic Bullys ist innerhalb der europäischen und internationalen Bully-Szene längst kein Randthema mehr. Während diese Hunde in sozialen Medien stark inszeniert und häufig als besonders selten